forumpoenale_6_2016.pdf
AUFSÄTZE 349
chen Lagen zu leistende Medienarbeit, welche zusätzlichen Druck bedeutet. In Bedrohungslagen arbeitet die Polizei mit einer beson deren gesamtschweizerisch einheitlichen Einsatzkonzep tion, dem sog. Sonderprozess. 54 Dieser dient der möglichst optimalen Führung solcher Einsätze und erleichtert die – gerade in solchen Lagen – oft nötige kantonsübergreifende Zusammenarbeit. Zu den eingehend thematisierten ungewohnten Zustän digkeiten und Rollen in solchen Lagen und der ausseror dentlich grossen Belastung kommt somit unter Umständen eine im Vergleich zum Alltag besondere Einsatzorganisa tion. Auch vor diesemHintergrund ist augenscheinlich, dass Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Zuständigkeit und Rolle in solchen Gemengelagen innerhalb der eigenen Organisa tion, aber auch zusammen thematisieren müssen, und zwar nicht erst unter dem Druck einer Lage, sondern vorgängig, z. B. mit gemeinsamen Übungen.
■ Zusammenfassung: Bei Entführungen, schweren Dro hungen oder Erpressungen treten in der Praxis immer wieder Unsicherheiten über die jeweiligen Zuständigkei ten von Polizei und Staatsanwaltschaft bzw. das anwend bare Recht auf. Dieser Beitrag untersucht die Gründe dafür und prüft, welche Regeln bei der Überlagerung von Gefahrenabwehr und Strafverfolgung zur Anwen dung kommen und auf was bei der Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft in diesem Zusammen hang zu achten ist. Résumé: En cas d’enlèvements, de menaces graves ou d’extorsions, des incertitudes quant à la délimitation des compétences de la police et du ministère public, d’une part, quant à la détermination du droit applicable, d’autre part, surgissent régulièrement dans la pratique. L’auteur de la présente contribution analyse d’abord les causes de cette situation, examine ensuite quelles règles s’appliquent lorsque la prévention des dangers et la pour suite pénale se superposent, détaille enfin à quoi il convient de veiller s’agissant de la coopération entre la police et le ministère public dans ce contexte.
Stichwörter: Polizeirecht, Strafverfolgung, Gemengelagen Motsclés: droit de police, poursuite pénale, situations confuses
54 Die Grundlagen wurden am 4.6.2009 von der KKPKS verabschiedet und 2010 in den einschlägigen Lehrgängen und Dokumentationen des SPI eingeführt (vgl. Aebi, Einführung der Einsatzorganisation und Standardaufträge in Sonderlagen bei der Schweizer Polizei, Krimina listik 2011, 485, 488 u. 492).
6/2016 forum poenale
Stämpfli Verlag
Made with FlippingBook